Sie befinden sich hier: Abteilungen | Bollingen | 

Die Mannschaft der Abteilung Bollingen inkluisve Jugendfeuerwehr im Juli 2016.
Die Mannschaft der Abteilung Bollingen inkluisve Jugendfeuerwehr im Juli 2016.

Günther Kerl

Funktion: Kommandant

Email: kommandant-bollingen(at)ffw-dornstadt.de

 

Jürgen Keller

Funktion: stv. Kommandant


Das LF8 der Abteilung Bollingen.
Das LF8 der Abteilung Bollingen.
Das Feuerwehrhaus an der Mehrzweckhalle mit einem Stellplatz.
Das Feuerwehrhaus an der Mehrzweckhalle mit einem Stellplatz.

Schutz vor dem Feuer war seit alters her eine Gemeinschaftsaufgabe. In Anbetracht der Holzbauweise mit Strohdächern und der offenen Feuerstellen war die Gefahr eines Brandes ungleich größer als heute. Zudem standen die Gebäude oft dicht beieinander, so dass bei Feuersbrunst die ganze Ortschaft bedroht war. So sind im Saalbuch der Deutschorden Commende Ulm 1656 und in der Fleckenordnung von Bollingen 1680 Maßnahmen zur Verhütung von Bränden und das Verhalten bei Feuerausbruch festgelegt. Zur Brandbekämpfung war die gesamte Einwohnerschaft aufgefordert; verständlich, da das Löschwasser mit Eimern aus den Hülben herangeschafft werden musste.

Die Organisation einer Feuerwehr wurde im Wesentlichen durch den Bau der Albwasserversorgung ermöglicht. Die Leitungen der Gruppe 4, in der Bermaringen, Scharenstetten, Hohenstein, Temmenhausen, Tomerdingen, Weidach, Bollingen, Böttingen und Dornstadt angeschlossen waren, wurden 1874/75 gebaut, mit einem Anteil von über 25.000 Gulden ein kostspieliges Unternehmen für unsere arme Gemeinde.

Aus Kostengründen erhielt die Gemeinde 1877 noch den Dispens, dass sie für Böttingen keinen eigenen Feuerwächter bestellen musste, wie es eigentlich nach der Königlichen Verordnung vom 21. Dezember 1876 vorgeschrieben war. Im selben Jahr drängte Landesinspektor Großmann anlässlich einer Visitation der Feuerlöscheinrichtung nachdrücklich auf den Aufbau einer Löschmannschaft mit entsprechendem Gerät.

Im Jahre 1883 war es dann soweit. Am 2. September 1883 beschloss der Gemeinderat eine Feuerwehr einzurichten, wenn ein Zuschuss bewilligt wird und am 28. Oktober 1883 waren die Voraussetzungen vorhanden, sodass die erforderlichen Wahlen vorgenommen werden konnten.

Eine Abschrift des Protokolls der Wahlen vom 28. Oktober 1883 kann hier gelesen werden: Download

Am 7. Juni 1886 fand in Anwesenheit des Bezirksfeuerlöschinspektors Feil eine gemeinschaftliche Sitzung von Gemeinderat und Bürgerausschuss statt, auf der unter Vorsitz von Schultheis Knab die Landesfeuerlöschordnung vom 7. Juni 1885 den örtlichen Verhältnissen entsprechend reglementiert wurde:

In der mit Böttingen 425 Einwohner zählenden Gemeinde ist eine vierrädrige 2-strahlige Saugfeuerspritze vorhanden, die 1861 gekauft wurde, sowie ein Schlauchwagen von 1878 mit zwei Haspeln, 115 Meter Schläuche, 2 Strahlrohre mit Mundstück, 3 Standrohre, diverse Anstell-, Dach- und Giebelleitern, und 5 Feuerhaken. Das Gerät ist im Spritzenmagazin, welches sich im Erdgeschoss des Rathauses befand, untergebracht.

Zur Wasserversorgung bestehen folgende Einrichtungen:

"Ein Hochreservat mit 3.700 Hektolitern Inhalt; 14 Hydranten in Bollingen, 7 in Böttingen sind gleichmäßig verteilt. Außerdem sind in Böttingen 2, in Bollingen 1 große Wasserhülbe und eine Anzahl alter Zisternenbrunnen vorhanden."

"Die Feuerlösch- und Rettungsmannschaft ist hier in folgender Weise organisiert:

Seit dem Jahr 1883 besteht eine gemischte Feurwehr mit freiwilliger Steigerabteilung. Die übrigen Abteilungen sind als Pflichtfeuerwehr eingeteilt.

 

1.) Die Steigerkompagnie, zugleich Rettungsmannschaft und Schlauchleger, zählt einschließlich Kommandanten und Hornisten 15 Mann, welche von der Gemeinde mit Hosen und Rock uniformiert und mit Helm und Gurt ausgerüstet sind. 12 Mann sind mit Steigerseilen und Rettungsschlingen, 6 mit Beil samt Tasche und Laternen ausgerüstet, 3 sind mit Schlauchhalter versehen.

 

2.) Die Hydrantenmannschaft zählt 8 Mann.

3.) Die Spritzen- und Ablösungsmannschaft zählt 32 Mann.

4.) Die Flüchtungsmannschaft zählt 8 Mann.

5.) Die Wachmannschaft 6 Mann.

 

Die letzten 4 Abteilungen bilden die Pflichtfeuerwehr, welche mit Armbändern versehen sind."

In der Organisationsform ergaben sich in den nächsten 50 Jahren kaum Veränderungen.

Die beiden Weltkriege stellten die Wehr vor eine schwierige Aufgabe, wurde doch nahezu der gesamte Mannschaftsstand zu den Waffen gerufen. Besonders während des 2. Weltkriegs war es schwierig, die Bereitschaft aufrechtzuerhalten.

So beschränkte man sich auch beim Einmarsch der Amerikaner Ende April 1945 darauf, Wohngebäude zu schützen, als in Böttingen 9 Scheunen in Brand geschossen wurden.

Untergebracht waren die Geräte in einem ebenerdigen Raum des Rathauses. 1911 wurde ein neues – das heutige – Schul- und Rathaus erbaut, hier war ein großer Raum an der Westseite der Feuerwehr vorbehalten. Anfang der 50-er Jahre erhielt die Wehr ein eigenes Gerätehaus, als in den bisherigen Spritzenraum ein 2. Schulsaal  eingebaut wurde.  

1981 wurde die Wehr wieder in das renovierte Schulhaus mit angebauter Mehrzweckhalle integriert. Nun hat die Feuerwehr mit der Fahrzeugbox und einem Aufenthalts- und Besprechungsraum eine schöne Bleibe gefunden.

Zur Sicherstellung des Löschwassers erstellte die Gemeinde 1962 in Bollingen einen Behälter mit 200 cbm und 1964 in Böttingen einen Behälter mit 100 cbm Fassungsvermögen.

Nach dem Krieg 1945 bekam die Wehr eine Tragkraftspritze mit Anhänger. Eine Feuerlöschpumpe TS8 wurde 1967 angeschafft und 1975 wurde das Fahrzeug LF 8 von Dornstadt übernommen.

Im Zuge der Gemeindereform war nach der freiwilligen Eingemeindung von Bollingen nach Dornstadt auch die Feuerwehr der Hauptgemeinde angegliedert worden. Dies tat der Initiative jedoch keinen Abbruch. Als Löschzug Bollingen ist die Wehr in den letzten Jahren auch mit geselligen Veranstaltungen – wie Schuppenfest, Gartenfest, Tag der offenen Tür, Fasching u.a.m. – aktiv geworden und leistet auch insoweit einen wichtigen Beitrag zum örtlichen Eigenleben.

Ernstfälle blieben – Gott sei Dank – in den letzten Jahrzehnten fast aus, die Einsätze beschränkten sich auf relativ geringfügige Schadensfälle. Trotzdem haben wir allen Grund, den Feuerwehrmännern, die uneigennützig ihren Dienst verrichten, um für den Notfall ihren Mitmenschen beistehen zu können, Dank zu sagen. Möge ihr Beispiel auch den kommenden Generationen Vorbild sein.

Weitere Infos zu:

  • Ortschronik der Gemeinde Bollingen: Download
  • Aktive der Feuerwehr Bollingen im Jubiläumsjahr 1984 und Kommandanten seit 1883: Download

 

 

 

Quelle:

Festschrift 100-Jähriges Jubiläum

Der Orientierung für die Festschrift dienten die Protokolle der Freiwilligen Feuerwehr, das Gemeindearchiv und eigene Unterlagen. Auf Grund der zum Teil wenigen Unterlagen aus früherer Zeit ist eine vollständige Darstellung nicht möglich.

Verfasser: Siegfried Egle, Hans Egle

Herausgeber: Freiwillige Feuerwehr Bollingen